Viele von euch werden sich mit Konsolenspielen auskennen. Playstation, Xbox360 und auch die Nintendo Wii ist mittlerweile vielen ein Begriff. Auch ich bin begeisterte Wii-Spielerin und war anfangs sehr fasziniert von den kabellosen Controllern, die genau auf meine Bewegungen reagieren können, so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen.

Doch vor einigen Tagen hat mein Freund mir ein Video auf Youtube gezeigt, bei dem es mir kalt den Rücken hinunterlief. Microsofts Xbox360-Programmierer haben die kabellose Technik der Wii-Controller konsequent weitergedacht und am 01. Juni diesen Jahres ihr „Project Natal“ auf der Spielemesse E3 (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles vorgestellt.
Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Zusatzgerät zum Bedienen der Xbox360, bei dem weder Kabel, noch Knöpfe, noch der Controller selbst von Nöten sind. Stattdessen werden die Spiele mit dem gesamten Körper gesteuert – und mit Mimik, Gestik und Stimme. Der kleine Kasten enthält nämlich Mikrofone, eine Kamera und Sensoren, durch die jede Person, die vor den Fernseher tritt, eindeutig erkannt wird. Das funktioniert mit Hilfe von Motion Capturing, einer Technik, die auch für computeranimierte Filme eingesetzt wird und Bewegungen anhand der Knochenverschiebung des Skeletts erkennt. Doch Project Natal kann die Person und ihre Bewegungen nicht nur erkennen, es kann diese auch sofort aufnehmen und im Spiel umsetzen – da wird Tennis mit den Händen gespielt und der Formel1-Wagen mit einem imaginären Lenkrad gesteuert.
Bis hierher hört sich das „controller-free gaming“, wie das Project Natal auf der Seite www.xbox.com angepriesen wird, auch nach wirklichem Entertainment-Spaß an. Natürlich ist die Vorstellung toll, in Zukunft nur den eigenen Körper zu benötigen, um Tennis-Matches zu bestreiten oder virtueller Fußballer des Jahres zu werden. Nie wieder Kabelgewirr vor dem Fernseher, leere Batterien in den Controllern oder tagelanges Üben, bis man die Tastenkombination drauf hat. Da ist die Aussage auf der offiziellen Xbox-Seite auch durchaus berechtigt: „the only experience needed is life experience.“
Doch was mich persönlich wirklich beunruhigt hat, ist nicht das Project Natal an sich, sondern „Milo“, ein kleiner Junge in einem Programm für die Xbox360, der auf die Person vor dem Fernseher reagieren und mit ihr interagieren kann. Milo erkennt an der Mimik und Stimmlage, ob die Person vor dem Fernseher glücklich oder traurig ist und reagiert entsprechend – binnen Millisekunden. Man hat das Gefühl, man steht einem wirklichen Menschen gegenüber. Natürlich hat Milo auch selbst Gefühle. Er kann sich für Spiele begeistern, über Witze lachen oder betrübt sein, wenn man ihn auf seine Hausaufgaben(!) anspricht. So unglaublich und fantastisch dieses Programm auch ist, ist das nicht etwas zu viel des Guten? Wenn Milo wirklich so gut und so schnell auf die Äußerungen des Menschen vor ihm reagieren kann, wie Microsoft in seinem Promotionsvideo zeigt, dann muss das Programm lernfähig sein, sich selbst überschreiben können. Wie sonst soll Milo alle unsere Redewendungen verstehen oder wissen, wie er darauf zu reagieren hat? Und wenn dem nun so ist, dass dieses Programm lernfähig ist, was passiert dann, wenn Milo wütend wird? Wie sieht das aus, wenn Programme hassen lernen? Oder was geschieht, wenn der Benutzer Milo vernachlässigt?
Auch wenn Wikipedia zu berichten weiß, dass der Name Natal sich von der brasilianischen Heimatstadt eines Entwicklers ableitet, lässt mich die Vermutung nicht los, dass Natal auch vom lateinischen natum = geboren stammt. Denn genau das ist Milo – ein interaktives Wesen, geboren, hergestellt, erzeugt, wie auch immer man das nennen möchte, von einem Programm. An dieser Stelle frage ich mich: Ist das schon der erste Schritt in Richtung künstliche Intelligenz? Und wenn ja, ab wann wird es gefährlich, Programme selbst denken zu lassen? Und noch wichtiger: ihnen Gefühle zu zeigen…



  1. Alex Crämer on Mittwoch 17, 2009

    wow! ich hätte nicht gedacht, dass die technik schon soweit fort geschritten ist. das klingt und sieht alles so futuristisch aus. ich find das auf jeden fall richtig gut und beeindruckend. . und selbst würd ich das auch super gerne mal ausprobieren. nur wenn dieses wesen quasi wie ein mensch agiert könnte ich mir echt vorstellen, dass manche menschen, die eh schon nicht so viel kontakt zu anderen haben, sich dadurch eine zweite welt aufbauen und teilweise nur mit “personen” wie milo kontakt haben. weil sie merken, dass eine “freundschaft” mit milo viel einfacher ist, denn milo kann man doch an und ausschalten oder?

  2. Dina on Mittwoch 17, 2009

    Ja, das ist noch zusätzlich die Gefahr. Dazu kommt auch, dass Natal eine Internetverbindung hat und die Benutzer darüber quasi virtuell bild-telefonieren können (siehe: http://www.youtube.com/watch?v=p2qlHoxPioM ). Ist ja alles schön und gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich möchte, dass alle meine Daten (also auch Stimme, Gesichtsmerkmale, Größe usw.) auf einer Maschine gespeichert werden, die auf Stimmbefehl eine Internetverbindung herstellt…

  3. Jan on Mittwoch 17, 2009

    Haha, süß diese “Sorgen”.
    Milo entspringt dem Hirn von Peter Molyneux der schon unzählige Male die Fähigkeit bewiesen hat Dinge in Promovideos unglaublich dynamisch und intelligent wirken zu lassen die sich dann hinterher als plumpe Automatismen herausgestellt haben (Fable, Black and White). Natal und Milo werden nicht annähernd das leisten was die Trailer hier vorgaukeln. Während es durchaus möglich ist anhand der Stimmlage oder der Mimik primitive Grundstimmungen zu erkennen, liefert Milo hier nur eine Handvoll vorgefertigte Reaktionen, mit künstlicher Intelligenz oder gar künstlicher Emotion hat das nicht das geringste zu tun. Das ist im Prinzip nichts anderes als ELIZA mit 3D-Grafik. Wenn du da nach eienr Minute noch das Gefühl hast mit einem echten Menschen zu sprechen würd ich gern mal deine Freunde kennenlernen. Jeder virtuelle Gegner in einem dieser pösen pösen “Killerspiele” hat mehr künstliche Intelligenz als das Ding da (Erkennung von Bewegungsmustern).

  4. Rasta on Mittwoch 17, 2009

    Ich will ja jetzt nicht der Spielverderber sein und die Ilusion zerstören,
    aber ich tus trotzdem :DD -.-
    Milo ist kein “Virtueles Wesen.” Er bedient sich nur Spracherkennung
    und reagiert auf den “Mitspieler.” Erzählt man ihm beispielsweise einen Witz,
    würde er dies zwar merken, aber er würde ihn nicht verstehen.
    Das ganze ist nur eine Ilusion :)
    Aber auf jedenfall nicht schlecht was Microsoft da macht.