Nebenverdienste durch Prominenz

Tom Buhrow, Petra Gerster, Anja Kohl, Claus Kleber … täglich sind sie im Fernsehen und moderieren die Nachrichten, die Millionen von Menschen sehen. Letztens waren sie auch wieder um TV, aber diesmal moderierten sie nicht an – sie waren selber Mittelpunkt des Berichts. Das NDR Medienmagazin „Zapp“ enthüllte die Nebenverdienste der Moderatoren vom öffentlich rechtlichen Fernsehen.

Laut „Zapp“ halten sie Reden, moderieren oder leiten Podiumsdiskussionen für bekannte Firmen oder große Banken. Beispielsweise stattete Petra Gerster der Sparkasse für eine Gegenleistung einen Besuch ab und auch Tom Buhrow interviewte im letzten Jahr für Henkell & Söhnlein den Politiker Kurt Beck. Gute Gründe Journalisten vor allem vom ersten und zweiten deutschen Fernsehen zu engagieren, gibt es laut Stefan Marotzke vom deutschen Sparkassen-und Giroverband, reichlich: „Zwei bzw. drei Punkte sind dabei ganz besonders wichtig: das ist zum einen die Kompetenz, das ist die Glaubwürdigkeit und natürlich ist es für viele der Gäste, die wir bei den Veranstaltungen haben, auch wichtig ein Gesicht zu sehen, was man vom Fernsehen von zu Hause her kennt.“
Mit Hilfe der Moderatoren können die Unternehmen so also ihre Glaubwürdigkeit unterstreichen und haben gleichzeitig einen PR-Effekt. Zusätzlich sind Gerster und Co oft in den Werbebroschüren der Unternehmen vorhanden und geben Tipps undTricks. Doch was sind die Vorteile für die Moderatoren? Üppige Honorare. So verdienen laut „Zapp“ Tom Buhrow und Claus Kleber pro Auftritt 20.000 Euro, Petra Gerster 14.000 Euro, Peter Hahne 10.000 Euro, Michael Antwerpes 8.0000 Euro und die ARD Börsenexpertin Anja Kohl angeblich 6.500 Euro. Anscheinend ist dieses Geschäft lukrativ für beide Seiten, doch es ist fraglich, ob diese Form der Nebenverdienste nicht an dem Image der Moderatoren rütteln. Die Gefahr die Unabhängigkeit zu verlieren oder gar als käuflich zu erscheinen, ist durchaus möglich. Das sieht zumindest Prof. Ulrich Battis, Rechtswissenschaftler von der Humboldt Universität in Berlin so.
Die Möglichkeit, dass der negative Effekt auf die Nachrichtensendungen überspringen könnte, sehen die Sender auch. Deshalb ist in den Tarifverträgen festgelegt, dass für jede Nebentätigkeit eine Genehmigung vom Vorgesetzten eingeholt werden muss. Ablehnungen gibt es relativ selten. Diese gibt’s nur, wenn „absehbare Interessenkollisionen mit dem eigentlichen Job zu befürchten sind“.
Übrigens gibt es noch einen Dritten, der ebenfalls von diesen Vorgängen profitier: Agenturen. Diese fokussieren sich auf die Vermittlung der zwischen den Moderatoren und den Firmen.
Es fragt sich nun, ob ein Journalist es schafft, an einem Tag für ein Unternehmen aufzutreten und an einem anderen noch ohne einen Interessenskonflikt kritisch über dieses in den Nachrichten zu berichten. Auch stellt sich die Frage, wie sie auf die Aufdeckung und das entsprechende Medieninteresse reagieren.
Marietta Slomka hat bereits den ersten Schritt getan - gegenüber der Bild am Sonntag hat die ZDF Moderatorin ihre Nebenverdienste offengelegt. Laut Bild.de lehne Slomka rund 99 Prozent der Anfragen ab und nehme so nur drei bis vier Auftritte pro Jahr wahr. Auch sei sie bei keiner Agentur und habe kein festes Honorar. Mit diesem Schritt der Offenlegung versucht Slomka wohl durch Transparenz nicht an Glaubwürdigkeit einbüßen zu müssen.
Ob dieser Schritt wirksam ist, wird sich zeigen. Allerdings denke ich, dass es eher ratsam ist offen mit Nebenverdiensten umzugehen, als dieses Thema zu verheimlichen und zu vertuschen.

Foto von der Bertelsmann Stiftung



  1. Max Fleischer on Montag 22, 2009

    Ich habe den Zapp-Bericht auch gesehen( super Sendung übrings).Ich bin ein bisschen zwigespalten. Dieses Herausstellen der Preise erinnert mich doch stark an Boulevardjournalismus. Dadurch wird die Neid-Debatte doch nur zusätzlich angefeuert. Ich sehe den beschriebenen Interessenskonflikt nicht. Und auch die Moderatoren bleiben für mich seriös und glaubwürdig.

  2. Saskia Linz on Montag 22, 2009

    ich persönlich finde auch nicht, dass etwas dagegen spricht bei einer seriösen Veranstaltung zu moderieren. Moderieren können sie schließlich und wieso sollten sie das nur im Fernsehen tun.
    Und ganz ehrlich für die Bezahlung würde ich auch mal Kurt Beck interviewen.