Nicht nur Tageszeitungen müssen Auflagenrückgänge verzeichnen, sondern gerade die Modemagazine sind in der wirtschaftlichen Krise stark betroffen. Doch jedes Magazin hat seinen ganz eigenen Weg mit der Krise fertig zu werden. Berichtete ich noch vor zwei Wochen über das Modeblatt Brigitte, das mithilfe eines seines neuen Images, magere Models künftig abzulehnen, die Auflagenzahl steigern wollte, las ich nun vor einigen Tagen auf wuv.de, wie die Modemagazine Instyle und Elle der Krise entgegensteuern wollen.
So teilte Chefredakteurin Annette Weber dem NDR-Magazin „Panorama“ ganz selbstbewusst mit, für Mütter keinen Platz in der Redaktion zu haben. Gerade in der jetzigen Zeit könne sie keine Mitarbeiterinnen „mitschleppen“, da sie Personal brauche, auf das sie sich verlassen könne und Instyle schließlich kein „betreutes Wohnen“ sei. Damit teilte sie der Welt indirekt mit, dass sich ehemalige gute Mitarbeiterinnen gar nicht erst um einen Teilzeit-Job bewerben bräuchten. Harte Worte, die vor allem die Burda-Belegschaft schockierte.
Natürlich ist es verständlich, dass auch Modemagazine Maßnahmen ergreifen müssen, um sich vor der Krise zu schützen. Doch ob dies der richtige Weg ist, mag ich zu bezweifeln. Annette Weber begründete ihre Aussage damit , dass sie 150 anstatt 100 Prozent von ihren Mitarbeiterinnen erwarte. Doch in einem Magazin, das zum größten Teil aus jungen Frauen besteht, demotiviert diese Aussage doch eher die Mitarbeiter, anstatt sie zu besseren Leistungen und mehr Einsatz zu bringen. Natürlich ist der berufliche Druck die eine Sache, aber früher oder später wird zumindest bei einigen Frauen der Wunsch nach einer Familie kommen.
Noch schockierter war ich von der Tatsache, dass die Modeassistentinnen in der Redaktion auffallend schlank sein müssen, da neue Outfits von Designern in der Redaktion vorgeführt werden. Im Klartet: Diejenigen, die nicht in die Outfits passten, dürfen auch nicht mitlaufen. Einerseits ist diese Art von Redaktionsklima wohl alles andere als angenehm und stellt die Mitarbeiterinnen in Bezug auf ihre Figur unter enormen Druck. Andererseits muss man sich an dieser Stelle fragen, welche Frau das auf Dauer mitmacht und ob der Job einem selbst so wichtig ist, dass man seine Gesundheit auf Spiel setzte und seinen Familienwunsch aufgibt…
Wieso kommt mir da bloß dirket der pradatragende Teufel in den Kopf?
Naja, Annette Weber hat halt das laut ausgesprochen was viele Arbeitgeber eh denken und indirekt machen.. keiner zahlt gerne Geld für Mitarbeiter die nichtmals einsatzbereit sind. Ob das nun moralisch vertretbar ist, ist eine andere Frage..
Gut, dass die Mitarbeiter schlank sein müssen, überrascht mich jetzt auch. Dennoch heißt schlank sein nicht = Gesundheit aufs Spiel setzten.
Ich find’s heftig. Das zu denken, ist die eine Sache. Aber öffentlich auszusprechen, dass Schwangere oder Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, in der Redaktion nicht erwünscht sind, ist schon etwas ganz anderes. Für mich verliert das Magazin damit deutlich Sympathiepunkte!