Die Zeit ist reif

Am Sonntag sind Landtagswahlen. Nicht irgendwelche, sondern Landtagswahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland, in NRW. Und NRW hat immer auch eine immense bundespolitische Bedeutung.

Also viel Arbeit für alle Journalisten, die über diese Wahl berichten wollen, müssen oder dürfen. Und da das nicht gerade wenige sind gibt es durchaus genauso viele unterschiedliche Meinungen gefärbt mit unterschiedlicher politischer Couleur, wie es Parteifarbenspiele und Koalitionskonstellationen gibt. Das redaktionelles Arbeiten manchmal durch bestimmte Parteifarben beeinflusst wird, ist uns nicht erst seit der Causa Brender klar, aber es ist uns doch wieder wie ein Faustschlag ins Gesicht bewusst geworden. Gerade Nordrhein Westfalen hat in der Vergangenheit gezeigt, dass hier immer wieder Parteidisziplin vor redaktioneller und vor allem journalistischer Unabhängigkeit stehen, der eigentlichen Triebfeder jedes journalistischen Arbeitens.

Doch nun scheint die Zeit reif für kritischeren, mehr unabhängigem Journalismus und einer parteineutralen Berichterstattung. Die Zeit ist reif, das zumindest meinen einige Journalisten in Nordrhein Westfalen. Deshalb haben sie extra vor der Wahl den Politikblog www.wir-in-nrw-blog.de gegründet, um so in der Präambel zu lesen, „für einen kritischen Journalismus im Netz zu sorgen und aus reinem Idealismus heraus unabhängig, klar und parteifern das aufzuschreiben, was wirklich passiert.“

Wenn man weiter in der Präambel liest kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass diese kleine Truppe treuloser Journalisten sich vor allem Pressefreiheit, journalistische Unabhängigkeit und verbale Feuerkraft in alle politischen Richtungen auf die Fahnen geschrieben hat.

Merkwürdig ist jedoch, dass die Beiträge häufig gegen eine bestimmte Richtung zielen, was nicht heißen soll, dass solche Skandale nicht aufgedeckt werden sollten. Doch eine gewisse Kontinuität ist bei ausführlichem Lesen nicht von der Hand zu weisen. Wohin die Farbenreise geht sollte jeder selbst beurteilen, wir wollen doch nun wirklich keine politische Beeinflussung im Netz, so kurz vor der Wahl.

Was mir aber mehr Magenschmerzen bereitet, ist das fast alle Autoren unter Pseudonymen wie zum Beispiel Kaspar Hauser oder Leo Loewe schreiben. Und dies sogar in zweierlei Hinsicht. Erstens, dass die Journalisten selber nicht die Courage haben und Beiträge nicht unter ihrem vollen Namen zu veröffentlichen und zweitens, was noch viel schlimmer wiegt, dass es wirklich schon so weit scheint, dass kein kritischer und unabhängiger Journalismus existieren kann, ohne die wirtschaftlichen Folgen von Verlagen und Sendern zu spüren.

Ist die Zeit wirklich schon so reif?!



  1. It‘s quite in here! Why not leave a response?